Silvester-Special 2020

 

Bei meinem letzten Vortragsabend an der KVHS Aurich habe ich die Teilnehmer gefragt, was sie an Silvester mit ihren Freigänger-Katzen machen. Die Antwort hat mich doch sehr überrascht!

Die meisten haben eigentlich nur mit den Schultern gezuckt und gesagt, dass sie ihre Katzen, wie sonst auch, ganz normal rauslassen.

 

Als ich selbst noch einen Freigänger hatte, war es ganz klar so, dass er Silvester tagsüber nochmal raus durfte und dann ab nachmittags und über Nacht nicht mehr. Das ist schon sehr lange her und wir lebten damals richtig ländlich. Es wurde kaum geballert, weder (so wie es heute oft leider passiert) schon Tage vorher, noch danach.

 

Was ich Katzenfreunden rate, wenn es um Silvester geht?

Das hängt natürlich vom Lebensstil der Katze ab.

Bei Freigängern ist es sicherer, die Katzen möglichst in den Tagen um Silvester drinnen zu halten oder wenigstens nur noch tagsüber herauszulassen, wenn die Gefahr der Böllerei noch nicht so groß ist.

 

Stellt Euch einfach die Panik des Tiers vor, wenn plötzlich der laute Knall in der Nähe losgeht, wie schnell kann es passieren, dass eine Katze dann vor ein Auto rennt?

Feste Heimkehrzeiten zu etablieren, ist sowieso immer gut, das geht natürlich nicht einfach kurz vor Silvester. Katzen sind absolute Routine-Tiere, sie teilen z.B. ihre Reviere zeitlich mit den Nachbarskatzen. Am besten lässt man sie vor der Fütterung raus, dann ist der Anreiz größer, schneller wieder heimzukommen.

Natürlich ist es immer gut anfangs zur Belohnung besonders beliebtes Futter bereit zu halten, wenn sie dann oder auch auf Zuruf wieder reinkommen.

 

Ihr kennt Eure Tiere und könnt am besten einschätzen, wie sie sind. Ihr kennt auch Euer Wohngebiet. Gibt es Unterschlupf? Wie alt und erfahren sind die Tiere? Wie lange wohnt ihr da, wie gut kennen die Katzen ihr Revier?

Wie sind sie charakterlich? Hast Du ein besonders zutrauliches Tier, das sich auch draußen von jedem Fremden anfassen lässt? Dadurch könnte Deine Katze Opfer böser Streiche werden.

Ich mag zwar nicht daran denken, aber es ist leider Fakt, dass es böse Menschen gibt und wir haben die Verantwortung für unsere Tiere und sollten sie schützen.

 

Oft höre ich auch, dass gesagt wird, „mein Freigänger nutzt kein Katzenklo, wir haben nicht mal eines.“

 Damit macht man es sich zu leicht. Jeder Katzenfreund muss wenigstens ein Notklo und einen Sack Streu lagern für den Notfall. Stell Dir mal vor, Deine Katze muss nach einem Unfall oder einem Kampf operiert werden und darf danach nicht raus? Was machst Du dann? Oder Du sollst eine Urinprobe auffangen für den Tierarzt?

 

Katzen sind intelligent, sie verstehen den Nutzen einer Katzentoilette sofort, wenn man sie ihnen einmal zeigt.

 Wenn man eine Katze hat, die eher draußen lebt als drinnen und so gar nicht reinkommen mag, kann man vor Silvester ein vorbereitendes Tiergespräch mit einer Tierkommunikatorin führen.

 

Meine Kollegin Stéfanie Renou hat darüber auch einen Blogartikel geschrieben. Den kannst Du hier nachlesen.

 

Tipps für ängstliche Wohnungskatzen

 Im Prinzip sollte man sich die Mühe machen, die Katze so zu trainieren, dass sie keine Angst hat.

 Das heißt mindestens mehrere Wochen vor Silvester bei Youtube Feuerwerk-Videos suchen und dann leise und kurz abspielen und die Dauer und Lautstärke langsam steigern, gepaart mit positiven Reizen, also zum Beispiel gleichzeitiger Gabe von Leckerchen, wenn die Katze völlig entspannt ist.

 Man steigert die Lautstärke langsam über mehrere Tage und beobachtet genau, wann die Katze anfängt, nervös zu reagieren. An diesem Punkt geht man wieder einen Schritt zurück und belohnt ruhiges Verhalten. Idealerweise hat man dann mit Geduld und Training eine Katze, die sich auf dem Sofa umdreht und weiter schläft, wenn man auf dem Fernseher mal ein Feuerwerk laut abspielt.

 (So geht man übrigens auch vor, wenn menschlicher Nachwuchs „im Anmarsch“ ist. Statt Silvesterraketen, dann eben mit Baby-Lauten.)

 

Trotzdem ist es natürlich sowohl hilfreich als auch katzenfreundlich, an Silvester Fenster und Türen geschlossen zu halten und abends Rollos, Jalousien oder Vorhänge zu schließen, um das Flackern von Feuerwerk zu unterbinden und die Lautstärke wenn möglich zu dämpfen.

 Außerdem wäre es wirklich der Worst Case, wenn eine reine Wohnungskatze zu Silvester aus den sicheren vier Wänden herausliefe und dann in Panik umherirrte, also achtet in dieser Zeit bitte besonders darauf, dass Besuch nicht versehentlich ein Fenster aufmacht oder die Tür offen stehen lässt („eben eine rauchen“ oder „was im Auto vergessen“ oder ähnlich).

 

 

Allgemeine Unterstützung

 

Wie geräuschempfindlich Deine Katze ist, ist individuell unterschiedlich. Der Grundstein wird in der Kittenzeit gelegt zwischen der 2. und 7. Lebenswoche, also wie sie sozialisiert wurde. Meine Katzen zum Beispiel haben alle gar keine Angst, obwohl z.B. Huggy ohne seine Mutter klar kommen musste. Es kommen immer noch weitere Einflüsse hinzu, z.B. die Gene haben einen Einfluss auf das Verhalten.

 

Bietet Euren Katzen Verstecke an, denn es ist wichtig, dass die Katze das Gefühl der Kontrolle über eine Situation hat.

 Deshalb bietet an, was möglich ist, also räumt z.B. eine Schublade oder ein Fach im Schrank leer und lasst die Tür auf, viele Katzen kuscheln sich gern in Kleiderschränken ein.

 Gut geeignet sind auch umgedrehte Kartons, Höhlen oder, wenn Eure Katze lieber erhöht liegt, ein Platz z.B. auf dem Kleiderschrank.

 

 Behandle Deine Katze bitte ganz normal. Halte sie bitte nicht fest, wenn sie nicht möchte, sondern warte ab, ob sie zu Dir kommt und gestreichelt werden möchte. Wenn sie sich lieber verstecken möchte, dann ist es kontraproduktiv sie davon abzuhalten.

 Rede auch nicht auf sie ein, sondern verhalte Dich einfach ganz normal wie sonst auch. Nicht bemitleiden oder bedauern, sondern beruhigen und normal mit ihr sprechen.

 

Bedenkt immer: die Katze entscheidet und fühlt sich am wohlsten, wenn SIE die Kontrolle hat.

 

 Zusätzlich zum oben beschrieben Training, also der langsamen Gewöhnung an die bisher ängstigenden Reize, gibt es weitere Möglichkeiten der Unterstützung.

 

 Man kann Bachblüten anwenden, z.B. die „Rescue Remedy“-Mischung, bitte da unbedingt daran denken, diese als alkoholfreie Tropfen zu besorgen. Diese „Notfalltropfen“ gibst Du Deinen Katzen dann ab 3-4 Tage vor Silvester 2-3 mal täglich. Ich kann Dir individuell eine Mischung für Deine Katze zusammenstellen.

 Den Feliway-Diffusor von Ceva sollte man schon einige Tage vorher einstecken. Sie verdampfen ein künstliches Pheromon, das das Sekret der Wangenduftdrüsen der Katze nachbildet. Sie fühlt sich dann sicherer.

 

Auch der Einsatz des Relaxopet für Katzen ist eine Option, aber auch damit ist es nicht am Silvestertag getan, man muss es ebenfalls bereits vorher einführen.

 

Desweiteren stehen uns mehrere pflanzliche Fertigarzneimittel zur Verfügung, z.B. Sedarom direkt.

 Bei allen naturheilkundlichen Mitteln und Nahrungsergänzungspräparaten wie z.B. Zylkène, reicht es nicht, am 31.12. damit zu beginnen, deshalb kümmert Euch bitte rechtzeitig darum, Eure Katzen zu unterstützen.

Falls Du auch noch Tipps für den Umgang mit ängstlichen Hunden brauchst, empfehle ich Dir diesen Artikel meiner Kollegin Therese Wichmann. Sie ist Expertin für Hunde-Entspannung!

 Vielleicht hat die Tierwelt es dieses Jahr leichter, wenn das Böllerverbot kommt. Aber ganz ohne Knallerei werden wir sicherlich auch mit einem Verbot nicht ins neue Jahr wechseln.

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